Darüber jauchzet jung und alt – Es geht zu Ende mit dem Kirchentag

Juliette Guttmann


Brüder und Schwestern, fünf Tage haben wir nun gemeinsam Verbracht. Andächtig, möchte man da fast sagen. Wir haben gesungen, geklatscht, Bonuspunkte bei Gott gesammelt, uns gewundert und gefreut. Wir haben am eigenen Leib erfahren müssen, dass Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50+ irgendwann auch nicht mehr hilft. Wir haben Dinge verloren und wiedergefunden. Sachen zerstört und wieder repariert. Das Hirn gesucht. Über Rost und Motten nachgedacht. Am eigenen Verstand und dem der anderen gezweifelt. Wir sind zu Fuß gegangen. Haben uns verirrt und den rechten Weg wieder gefunden. Musik gehört. Wir haben uns helfen lassen. Gastfreundschaft erfahren. Ein Lichtermeer gesehen. Wenig geschlafen und Menschen getroffen, die wir hier nicht vermutet hätten.

Für die einen war der Kirchentag die größtmögliche Ansammlung religiös Verstrahlter, die sich auch in der Straßenbahn das Singen nicht verbieten ließen und die Regale in den Supermärkten leer kauften. Für die andere gehen die vielleicht schönsten Tage in diesem Jahr zu Ende. Die, die Gemeinschaft gesucht haben, sollten fündig geworden sein. weiterlesen »


Uff! Und was bleibt?

Christoph Springer


Es gibt doch noch etwas hinzuzufügen zum Blog und den Berichten zum Kirchentag: Die Printausgabe der DNN vom Montag. Rückblick, Zusammenfassung, Bilder, Bilanz der Verantwortlichen – das alles steht morgen im Blatt. Uff! Und es geht noch weiter, verlasst Euch drauf. Falsch wäre aber zu behaupten, nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag. Nun ist’ s vorbei mit der Heiligkeit und wir Dresdner sind wieder unter uns. Böse Zungen behaupten, nun kochen wir wieder (nur) im eigenen Saft.

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Die 10 Gebote: Dürsten und singen in Ägypten an der Elbe

Evelyn ter Vehn


Ägypten liegt am Nil, so die landläufige Meinung und google maps.  Zum Kirchentag war alles anders, lag Ägypten an der Elbe. Der absolute Hot Spot war das Glücksgas Stadion, wo ein riesiger Laienchor von mehr als 1000 Sängern den Klangteppich für das Pop-Oratorium “Die 10 Gebote” ausrollte. Weil die Schutzheiligen der Mischpulte sich wohl unters Kirchentagsvolk gemischt hatten, jedenfalls hörbar nicht zur Stelle waren, war das nicht leicht. Trotzdem sehr authentisch: Stück Nr. 14, Text: “Durst! Durst! Wasser! Wasser!” Denn bei der Generalprobe für des gigantischen Musikspektakels war es vor allem: Heiß. weiterlesen »


Was der Kirchentag aus Menschen macht

Anne Sturm


Die letzte Messe ist gelesen, die grünbeschalte Menschenmasse strömt zurück in die Heimat zwischen Küste und Alpenvorland. Das also war der Kirchentag.

Wie lange hatten wir uns auf dieses lange Wochenende vorbereitet, Konzepte und Dienstpläne geschrieben, das Programm durchforstet, Termine verteilt. Und jeder hatte sich das Großereignis in den schillernsten Farben ausgemalt. Zugegeben: Unsere Vorstellungen waren nicht ausschließlich positiver Natur. Mehr Menschen in der Stadt, mehr Arbeit in der Redaktion – das sorgte nicht unbedingt für grenzenlose Begeisterung. weiterlesen »


Slalomfahren in Dresden

Stephan Lohse


Am Montag bewerbe ich mich für die olympischen Winterspiele 2014 in Sotchi, und zwar im Slalom. Bereits am Sonntagnachmittag wird mein Training abgeschlossen sein. Es war kurz, es war intensiv, es war unausweichlich. Unausweichlich sind im Übrigen auch die vielen Kirchentagsgäste in der Stadt.

Leider stellen diese sich dem geneigten Fahrradfahrer meist als unberechenbares und bewegliches Hindernis dar. Bleibt die Gruppe vor mir jetzt stehen oder läuft sie weiter? Schert der Mann da rechts gleich aus, wie wird sich die Frau dort verhalten? Wer sich aktuell mit dem Rad über Dresdens Straßen und Fußwege bewegt – Radwege gibt’s ja an zu vielen Stellen keine – darf nicht mit einer geraden Linie planen. Sollte sich ein Polizist mal nur auch mich konzentrieren, muss ich unter Garantie zum Bluttest – so kurvig fahre ich nicht mal nach sieben Bier.

Dabei kann man es den Kirchentags-Teilnehmern ja kaum übel nehmen. Blick auf den Stadtplan, Blick zum Mitmenschen, Blick auf den Dresdner Barock, wir haben alle nur zwei Augen. Trotzdem bin ich nach jeder Fahrt heilfroh, keinen Kirchentagsgast „mitgenommen“ zu haben. Und falls ich in drei Jahren tatsächlich Gold hole, dann widme ich sie dem Kirchentag!


Gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehn…

Juliette Guttmann



Speed-Dancing bei der Kirchendisko

Dominik Brüggemann


Sie tanzten wild, entschlossen und zum letzten Mal während des Dresdner Kirchentages. Den Kirchentagsbesuchern der „Russendisko“ im Deutschen Hygiene-Museum standen am Samstagabend schließlich nur zwei Stunden zur Verfügung, um ausgelassen die zurückliegenden Tage zu feiern.

Der Wille der Veranstalter sah vor, den Tanzabend mit russischen Hits um 24 Uhr enden zu lassen. Wohlgemerkt hatte die Party erst um 22 Uhr begonnen. Zugunsten der vielen jungen Leute auf der Tanzfläche eine sinnvolle Entscheidung, für die Hunderten Volljährigen kam die Stromunterbrechung um Mitternacht jedoch eindeutig zu früh. weiterlesen »


Ich bete für einen Rucksack. Oder: Warum Susi auf der Strecke bleibt

Sebastian Kositz


Ich warte auf ein Zeichen christlicher Nächstenliebe. Stehend und in einer bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten S-Bahn. Sogar die Treppe ist besetzt. Im Wechsel blicke ich auf einen Sitz mit einem Rucksack und den Sessel gegenüber, auf dem eine grünbeschalte Kirchentagsbesucherin hockt. Vergebens. Die erwartete Nächstenliebe wird mir nicht zuteil.

Möglicherweise habe ich ja auch etwas falsch verstanden. Das von mir als Sturheit gedeutete Verhalten der Dame ist vielleicht auch die Einladung, ihr (und ihrem Rucksack) etwas Gutes tun zu dürfen. Ich erhalte die einmalige Chance, zu verzichten, damit es einem Mitmenschen (und dem erwähnten Rucksack) etwas besser geht. Eine gute Tat am Morgen auf dem Weg zur Arbeit. Ich fühle mich aber nicht gut dabei. Der egoistische Trieb, den übermüdeten Gebeinen eine letzte Ruhepause vor der Schlacht im Getümmel des Kirchentags zu gönnen, ist stärker. weiterlesen »


Herr, schick Buchstaben vom Himmel!

Christoph Springer


Dieses Schild hängt an einem Zelt auf dem Markt der Möglichkeiten an der Marienbrücke, gleich neben dem DNN-Zelt. Entweder haben es die Kollegen aus dem Zeitungszelt nicht entdeckt oder …


Applaus für Jesus – Auf der Suche nach der Liebe im Netz, den Störer gefunden

Juliette Guttmann


Das Internet, unendliche Weiten, Paradies auf Erden und Hölle zugleich. Da wachsen die Honigkuchen an den Bäumen und kaum liegt man darunter, schnappen die rot glühenden Fußfesseln nicht nur zu, sie brennen sich von der Haut durchs Fleisch bis zum Knochen und das tut sehr, sehr weh. Eins, zwei drei, jetzt hab ich dich. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es fast nichts. Maschine essen Seele auf. Trotzdem sind all die Mutanten und solche, die es noch werden wollen eingeladen, teilzuhaben an Gottesdienst, Gemeinschaft, wenn’s sein muss auch online.

In der ahnungsvoll verbreiteten Hoffnung, hier müssten doch all die jungen Menschen erreichbar sein, die sonntags nicht mehr in die Kirche kommen, schwingt immer die ängstliche Erwartung vor dem Betreten des finsteren Kontinents mit. Es ist so viel Böses direkt vor der eigenen Haustür, was, wenn es in diesem Internet genauso zugeht? Phobien haben das Leben schon immer leichter und angenehmer gemacht. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Wer es nicht tut, stirbt trotzdem. Die Angst, die Schäfchen könnten der realen Welt abhanden kommen, ist ein stetiger Begleiter und hemmt innovatives und mutiges Arbeiten. Weil ach, das Internet vergisst und vergibt ja nicht – Gott aber schon. weiterlesen »


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